trnd-Projekt Nokia Lumia 800: Die Nokia-Apps (Navigation, Maps und Co.)

Nokia will mit Windows Phone Erfolg haben. Jedenfalls meinen sie es richtig ernst mit dem System, was man gerade an dem hohen Output an Software rund um die Lumia-Produktreihe sieht. Derzeit sind diese Apps auch exklusiv für die Nokia-Phones. Ein Grund mehr, im Rahmen des trnd-Projekts auf diese Anwendungen näher einzugehen.

Nokia Navigation (vorinstalliert)
Die turn-by-turn Navigation von Nokia ist das Alleinstellungsmerkmal der Nokia Lumia-Serie gegenüber den anderen Windows Phones. Nokia Navigation wird kostenlos mitgeliefert und bietet seit dem letzten Update (Version 2.0) auch komplette Offline-Navigation (die Karten konnte man vorher auch schon offline speichern, zur Routenberechnung musste aber bisher eine Internetverbindung hergestellt werden). Zusätzlich muss man noch manuell eine Navigationssprache runterladen (z.B. deutsch männlich oder deutsch weiblich) und das gewünschte Kartenmaterial (in meinem Test z.B. Berlin/Brandenburg). Die Ansagen sind deutlicher und natürlicher als bei der Google Navigation, allerdings kamen sie teilweise für meinen Geschmack recht spät. Auf langen Strecken wird mir dafür zu oft die nächste Aktion angekündigt. 7km vor der Abfahrt bereits darauf hinzuweisen und das dann bestimmt fünf mal zu wiederholen nervt. Die Ansicht zoomt an Kreuzungen und langsamen Fahrten nicht ran. So fehlt auch ein Spurassistent. Auch die Funktion, Autobahn auf Wunsch zu meiden oder eine Sperrung für die nächsten Kilometer anzugeben fehlte mir bereits schmerzlich. Der Funktionsumfang wird sicher stetig ausgebaut. Wenn die Ansagen noch punktgenauer kommen (Navigon Select ist hier ein gutes Beispiel) ist die Software uneingeschränkt zu empfehlen.

Nokia Bus & Bahn (Nokia Transport)
Nokia Bus & Bahn gibt es erst seit einigen Tagen und ist bisher in Deutschland auch nur für Berlin und Brandenburg zu gebrauchen. Laut Nokia ist das auch die einzige Region mit der Berücksichtung aktueller Verspätungen. Optisch erinnert die Anwendung an Öffi (Android) oder Fahrinfo (iOS). Die App sucht ÖPNV-Routen ausgehend von meinem aktuellen oder einem gewünschten Standort zu einem beliebigen Ziel raus. Bei Dateneingabe (auch Adressen können eingegeben werden) wird eine Autovervollständigung angeboten. Ich sehe die Verbindungen der nächsten Minuten. Eine Wunsch-Abfahrts- oder Ankunftszeit kann aber noch nicht angegeben werden – durch Scrollen nach links oder rechts kann man aber frühere bzw. spätere Fahrten suchen. Die Verbindung zu einem wichtigen Ziel kann als Verknüpfung auf der Startseite angepinnt werden. Allerdings ist nur eine Verknüpfung möglich. Hat man Fußweg auf der Route, wird auch eine Kartenanzeige mit Navigationshinweisen geboten. Die App kann hier installiert werden.

Nokia Karten (Nokia Maps) (vorinstalliert)
Nokia bietet unter maps.nokia.com seinen eigenen Kartendienst an. Dieser umfasst auch eine Routenplanung, das Favorisieren von Orten, sowie die Suche nach Restaurants oder anderen POIs. Die Aufmachung ist dabei ähnlich zu Google Maps. So kann man zwischen Satelliten-, Karten- und Geländeansicht als auch einer 3D-Perspektive wählen. Es wird auch eine Anzeige der aktuellen Verkehrssituation geboten. Besonders gefällt mir die Anzeige der öffentlichen Verkehrsmittel. Während Google für Berlin nur S- und U-Bahn-Linien anzeigt, sind in der Nokia-Variante auch Straßenbahn und Buslinien samt Haltestellen verfügbar. Zumindest für Berlin ist das ein Mehrwert gegenüber Google Maps.
Nahezu all diese Funktionen sind auch in der App für Windows Phone enthalten. So kann ich Favoriten speichern, Routen berechnen, die Umgebung nach POIs durchsuchen oder auch öffentliche Verkehrsmittel suchen. Die Anwendung lässt sich einfach bedienen, bietet bis jetzt aber leider keine Synchronisation der Favoriten zwischen dem Webdienst und der App. Da es diese Funktion bei anderen Nokia-Geräten allerdings gibt, wird es sicher nur eine Frage der Zeit sein, bis dieses Feature per Update auch für die Windows Phone Version nachgerüstet wird.

Nokia Kreativ Studio (Nokia Creative Studio)
Mit Kreativ Studio hat der Nutzer die Möglichkeit, Bilder aus seinem Album oder eine neue Aufnahme mit Filtern und Anpassungen zu versehen. Die Filter sind zwar nicht so umfangreich wie bei den vielen Foto-Apps anderer Systeme, reduzieren aber die Qual bei der Wahl. Hat man einen Effekt gefunden, kann man das Bild speichern oder noch einmal durch eine Trennlinie die Vorher-/Nachheransicht vergleichen. Die Bilder können anschließend auch direkt mit Facebook, Flickr oder Twitter geteilt werden. Ich kann allerdings auch Anpassungen am Bild vornehmen, wie einen Bildausschnitt erstellen, das Foto drehen, oder an Kontrast, Farbe, Schärfe und Belichtung rumspielen. Dadurch kann man durchaus ein wenig aus den Bildern rausholen. Die Bedienung ist einfach gehalten und intuitiv. Auch ein paar verzerrte Aufnahmen von Gesichtern oder Gegenständen sind möglich. Außerdem ist noch eine Panoramafunktion integriert, die eine Komposition aus vier Fotos erstellt. Kreativ Studio ist eindeutig noch ausbaufähig, was zukünftige Updates aber sicher berücksichtigen werden.
Creativestudio
Nokia Musik
Nokia Musik ist in erster Linie ein Hub für die Verlinkung auf die lokal gespeicherte Musik, den Nokia Music Store, Infos über Konzerte in der Nähe und, nach einem kleinen Trick, auch dem Mix Radio, einem kostenlosen Playlist-Service von Nokia, der in Deutschland eigentlich nicht verfügbar ist. Das ist eigentlich auch die einzige sinnvolle Funktion der App, da Windows Phone mit Zune ja einen eigenen Store bietet. Mix Radio bietet dem Nutzer die Möglichkeit, aus verschiedenen redaktionell von Nokia zusammengestellten Playlists (z.B. „new releases“, „bestsellers“, „rock“, „lumia mixes“ etc.) zu wählen und diese entweder zu streamen oder lokal zu speichern, um auch ohne Inter
netverbindung diese Listen zu hören. Das besondere: man kann nur 6 Songs pro Stunde überspringen (lizenzrechtliche Gründe) und weiß nicht, was alles in der Playlist enthalten ist. Man kann auch einen Stream starten, der Musik ähnlich der eingegeben Künstler abspielt. Dieser kann allerdings nicht lokal gespeichert werden.

Externe Wiedergabe (Nokia Play To) (Betaversion)
Die Oberfläche der DLNA-Streaming-Software ist der Bilder- und Video-App nachempfunden. So kann ich auf dem ersten Screen zu den Einstellungen gelangen und den DLNA-Client, auf dem ich die Inhalte wiedergeben möchte, aus dem aktuellen WLAN-Netz wählen. Da taucht dann beispielsweise der Fernseher auf, auf dem ich den Inhalt abspielen möchte. Die Inhalte (Bilder, Video) kann ich in der integrierten Galerie-Ansicht wählen. Solange der „Teilen“-Schalter auf „ein“ steht, wird der auf dem Lumia angezeigte Inhalt an den TV übertragen. Die App funktioniert trotz Beta-Stadium schon sehr gut, ist schnell und leicht zu bedienen.