trnd-Projekt Nokia Lumia 800: Zune-Zwang

Seit drei Tagen habe ich das Nokia Lumia 800 zu meinem Ersthandy gemacht. Nur so kann ich das Gerät wirklich ausgiebig testen. Macken und Unzulänglichkeiten tauchen nämlich meist bei regelmäßigem Gebrauch auf und entfalten erst dann ihre ganze Pracht. Eine dieser Unzulänglichkeiten ist der Zwang, das Microsoft-Programm Zune zu verwenden.

Nur mit dieser Software ist es möglich, Bilder, Videos und Musik zwischen Telefon und Rechner auszutauschen (lassen wir den langsamen Umweg über die Cloud mal außer Acht). Schließt man das Handy an den PC an, werden sofort alle notwendigen Treiber installiert. So sollte es auch sein, denn dem Lieferumfang liegt keine Daten-CD bei. Während der Treiber-Installation wird man aufgefordert die Software herunterzuladen und zu installieren.

Anschließend zeigt sich Zune in seiner ganzen durchgestylten Pracht. Ebenso wie Windows Phone ist es ein typographie-lastiges Layout. Im Grunde gefällt mir das Design ja, allerdings geht das hier eindeutig zu Lasten der Übersicht, wenn man sich seine Medien-Bibliothek anschaut, die das Programm auf Wunsch beim initialen Start scannt. Denn hat man, wie ich, viel Musik, dann ist das Suchen und Finden bzw. Sortieren der Medien recht umständlich. Das wäre ja nicht weiter schlimm wenn man das Nokia über seine gewohnte Medien-Software befüllen könnte (ich bestücke Android und MP3-Player z.B. mit Mediamonkey). Aber man muss mit diesem dreigeteilten Bereich auf dem Hauptscreen zurecht kommen und kann die Musik nur nach Künstler, Album und Genre filtern. Jahr und Bewertung fehlt. Um Podcasts zu synchronisieren, muss man die Podcast-URL manuell (!) eingeben. Keine Anbindung an einen Katalog oder OPML-Import. Bilder sind auch nur rudimentär durchsuchbar und können ordner- oder bildweise auf das Telefon gezogen werden. Das Synchronisieren ist wiederum recht einfach gelöst: man markiert den gewünschten Content und zieht diesen dann unten links auf das stilisierte Telefon. In den Geräteeinstellungen kann auch eine automatische Synchronisierung konfiguriert werden.
Zune9
Bei dieser eingeschränkten Übersicht ist die Suchfunktion zwingend erforderlich. Wie gesagt, das gilt hauptsächlich für große Mediensammlungen. Erfreulicherweise ist die Präsentation der Suchergebnisse ansprechend umgesetzt. Die Ergebisse können gefiltert dargestellt werden (Alle, Alben, Künstler usw.) und zeigen gleichzeitig den passenden Inhalt aus der Sammlung und dem Zune-Marktplatz an. Die Aufbereitung gefällt mir hier ganz gut.
Zune5
Außer der Möglichkeit, die Sammlung mit dem Telefon abzugleichen, können über die Software auch Käufe und App-Installationen aus dem Windows Phone Marketplace getätigt werden. Dazu muss allerdings das Telefon angeschlossen sein.

Ist das Telefon angeschlossen, lassen sich die Inhalte auf dem Telefon durchsuchen und verwalten. So können die Fotos auf den Rechner kopiert werden oder Musik wieder gelöscht werden um Platz für neue Musik zu machen.
Zune8
Fazit
Ebenso wie beim iPhone werde ich beim Nokia Lumia 800 gezwungen, zum Verwalten der erstellten Bilder oder der gewünschten Musik eine bestimmte Software einzusetzen. Das wäre ja noch nicht mal ein Problem, wenn diese wenigstens einen ausreichenden Funktionsumfang bieten würde. Es ist keine Freude eine große Sammlung an Musik zu durchforsten um bestimmte Alben oder Songs zu überspielen. Die Filtermöglichkeiten sind dafür nicht ausreichend und das Design der Anwendung mit den vielen weißen Flächen und der großen Schrift macht den Platz für eine übersichtliche Darstellung rar. Auch ist die Ansicht dadurch nicht anpassbar – im Gegensatz zu fast jeder anderen Software, bei der ich das Spaltenlayout beeinflussen kann. Die Spontaneität ist natürlich auch stark eingeschränkt, wenn man mal eben bei einem Freund Fotos auf das Handy spielen möchte, sofern dieser kein Zune einsetzt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.